Seit 1874
Unsere Idee- die Gründung einer sozialen Einrichtung mit sowohl missionarischen als auch bildungspolitischen Aufgaben- stand ganz im Zeichen der damals vorherrschenden wirtschaftlichen und sozialen Not. Zur Motivation dienten weniger materielle als ideelle Werte: Viele Menschen hatten durch die schnelle Industrialisierung an Halt verloren und sollten im Haus des Evangelischen Vereins Zuflucht finden können; man befürchtete eine Verwahrlosung der Jugend und sah sich aus christlichen-ethischen Gesichtspunkten veranlasst zu helfen. Abgesehen von staatlichen Bemühungen, gab es verschiedene Einrichtungen der Inneren Mission (heute Diakonie), die versuchten, Hilfe am Nächsten zu leisten.
Am 27. November 1874 trafen sich auf Anregung des späteren Stadtpfarrers Christian Härle einige Cannstatter Bürger im Hotel Wilhelmbau, um den "Evangelischen Verein" zu gründen. Ziel war es, die soziale Not vor Ort zu lindern. Alle vorhandenen freiwilligen Einrichtungen der damaligen Inneren Mission sollten zusammengeführt werden, die Kräfte sollten gebündelt werden, um wirksamer soziale Mißstände beheben zu können. Das Vereinshaus entstand schon bald, im Jahre 1877/78, auf einem von der Stadtverwaltung unentgeltlich zur Verfügung gestellten Grundstück und verlieh dem Verein eine nun sichtbare Darstellung nach außen. Der Verein war zunächst auf verschiedenen Gebieten des kirchlichen und diakonischen Lebens tätig: Ein Kleinkinderhort, ein Jugend- sowie ein Fabrikarbeiterinnenheim fielen unter anderem in den Aufgabenbereich des Vereins. Die diakonische Arbeit verteilte sich auf verschiedene Einrichtungen und Häuser in Bad Cannstatt. Nach und nach übernahmen städtische bzw. staatliche Institutionen die Aufgabengebiete des Vereins. So konzentrierte sich die Arbeit immer stärker auf den Bereich der Altenpflege und Altenwohnheime.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der bisherige Grundbesitz an die Stadt Stuttgart veräußert und im Austausch hierzu ein Erbbaurecht an der Brunnenstraße erworben. So kam es zum Bau des jetzigen Pflegeheims in der Brunnenstraße 57, zum Erwerb von Gebäuden in der Überkinger und Nauheimer Straße, sowie zum Kauf des ehemaligen Stadtmühlengeländes, auf dem am 01.Oktober 1999 ein Seniorenwohnheim feierlich eröffnet wurde.

 

Philosophie und Vision

Die Tradition unseres Hauses geht zurück auf die Wurzeln einer christlich-sozialen Gesinnung, die mit dem Mut einzelner begann und sich bis heute erhalten konnte. Unsere Geschichte ist eng verbunden mit der Geschichte Bad Cannstatts, weil sich unsere Tätigkeit immer als Hilfe vor Ort verstand.
Unser Engagement in Bad Cannstatt, sich für hilfsbedürftige und in Not geratene Menschen einzusetzen, lässt sich auch heute noch an der dezentralen Anordnung der Häuser ablesen. Viele der verstreut liegenden Gebäude, wie z.B. die Seniorenwohnungen der Überkinger- oder Wilhelmstraße, sind von herkömmlichen Wohnhäusern nicht zu unterscheiden; integrieren so den älteren Menschen besser in sein   gewohntes gesellschaftliches Umfeld.
Unser Haus hat vier Standbeine. So sind wir in enger Zusammenarbeit mit staatlichen und kirchlichen Institutionen geblieben (wir sind Mitglied des Diakonischen Werkes der Evangelischen Landeskirche Stuttgart); versuchen aber von Seiten unserer Verwaltung so weit wie möglich unabhängig zu sein, um unsere unternehmerische Handlungsfähigkeit zu erhalten. Freiwillige Mitarbeiter und die damit verbundene schmale Organisation halten unsere Kosten gering, Mitglieder und Spender unterstützen unsere tagtägliche Arbeit finanziell. Dennoch sind wir keine in erster Linie auf Gewinn orientierte Institution.
Im Sinne der Gemeinnützigkeit kommen finanzielle Überschüsse den Einrichtungen und den Heimbewohnern zugute. So versuchen wir, diakonische Wesensmerkmale mit zeitgemäßem wirtschaftlichen Handeln zu verbinden und stoßen des öfteren auch an die Grenze des Machbaren.
Damals wie heute stellen wir uns gesellschaftlichen Aufgaben. Wir fühlen uns verantwortlich gegenüber unseren Nächsten: den hilfebedürftigen Senioren. Im Mittelpunkt unseres Engagement steht nach wie vor der Mensch, um dessen Wohl wir uns bemühen und dessen Freiheit und Selbständigkeit wir durch eine flexible Betreuung und Fürsorge erhalten wollen.